Medizin & Biotech

Leberkarzinogenese: Krebsvorläuferzellen in der Leber © Universität Wien/Ines Jeric
Leberkarzinogenese: Krebsvorläuferzellen in der Leber © Universität Wien/Ines Jeric

APA

Forschungsergebnisse zu Leberkrebs und Leberentzündungen

21.12.2016

Chronische Entzündungen und verschiedene Krebsarten gelten seit vielen Jahren als mit einander korreliert. Die Rolle von zwei Stoffen für solche krankhaften Prozesse haben Wissenschafter von der Universität Wien und vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) geklärt, hieß es in Aussendungen der beiden Institutionen.

Manuela Baccarini und ihr Team an den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) der Universität Wien und der MedUni Wien seien in der Entschlüsselung jener Mechanismen, die dem Leberkrebs zugrunde liegen, einen Schritt weiter gekommen, wurde mitgeteilt. Mit "RAF1" identifizierten sie ein Protein, das normalerweise die Entwicklung von Krebs fördert, bei Leberkarzinomen aber den gegenteiligen Effekt hat: Bei gewissen Zelltypen bremst RAF1 das Wachstum der Tumorzellen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht.

Zwei entgegengesetzte Funktionen von RAF1 gefunden

Das Protein RAF1 ist bekannt für seine essenzielle Rolle bei der Entwicklung verschiedener Tumorarten. Die neuen Erkenntnisse von Manuela Baccarini und ihrem Team zeigen einen gegenteiligen Effekt. Ines Jeric, Erstautorin der Studie, erklärt: "Unsere Ergebnisse weisen auf eine neue Rolle von RAF1 bei Lebertumoren hin. Wir haben zwei entgegengesetzte Funktionen in unterschiedlichen Zelltypen der Leber gefunden. Zum einen bremst RAF1 die Wucherung von bösartigen Hepatozyten, den eigentlichen Tumorzellen. Andererseits wird RAF1 aber in Entzündungszellen benötigt, um eine geeignete Umgebung für das Wachstum von HCC (Leberzellkarzinomen; Anm.) zu erzeugen." Dies wurde sowohl an lebenden Organismen getestet als auch durch die Analyse von Biopsien menschlicher Tumore belegt.

Um die Rolle von Malondialdehyd geht in einer wissenschaftlichen Arbeit des CeMM. In einer Studie sei es Wissenschaftern um Christoph Binder, Atheroskleroseforscher der MedUni Wien und am CeMM tätig, in Kooperationen mit Experten aus Maastricht und Mainz gelungen, entscheidende Prozesse zu identifizieren, die an den Entzündungsreaktionen bei Fettlebererkrankungen beteiligt sind, hieß es in einer Aussendung.

Die in der Zeitschrift Hepatology veröffentlichte Arbeit zeige, dass Malondialdehyd (MDA), einem Biomarker für oxidativen Stress, eine Schlüsselrolle in der ernährungsbedingten Leberentzündung zukomme. Durch Antikörper, die sich gegen MDA richten, ließe sich die Entzündung eindämmen. Dies wäre ein neuer Ansatz für die Entwicklung einer potenziellen Therapie der häufigen nichtalkoholischen Fettlebererkrankung. Malondialdehyd ist ein Abbauprodukt von mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Es reichert sich auf sterbenden Leberzellen an und fördert eine Entzündungsreaktion.

STICHWÖRTER
Medizin  | Wien  | Wissenschaft  | Forschung  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung